Wähle eine Strecke, die dich emotional anspricht und akustisch vielfältig ist: schmale Gassen neben breiten Boulevards, ruhige Innenhöfe nach belebten Kreuzungen. Achte auf Übergänge, denn dort entstehen spannende Kontraste. Markiere potenzielle Haltepunkte, notiere Gerüche, Farben, kleine Details, die später als Anker deiner Erzählung dienen und den Hörerinnen Orientierung und Gefühl geben.
Morgens klingen Lieferwagen, Vogelrufe und leise Gespräche. Mittags überwiegen Stimmen, Ampelsummen und Straßenmusik. Abends schieben sich Basslinien aus Bars in den Hall von Fassaden. Wähle Zeiten, die deine Geschichte unterstützen. Experimentiere mit Tageslicht, Dämmerung oder Nacht, denn Sehen beeinflusst Hören. Dokumentiere Veränderungen, um bewusster zu schneiden, Pausen zu setzen und Momente des Staunens zu verstärken.
Gehe die Route testweise, stoppe bei jedem markierten Punkt und lausche mindestens eine Minute. Schreibe stichwortartig, was du hörst, fühlst, riechst. Nutze Sprachnotizen für spontane Gedanken. Prüfe, wo Verkehrsstrom, Windkanäle oder Baustellen das Klangbild dominieren. So erkennst du Engpässe, passt die Reihenfolge an, findest ruhigere Alternativen und sicherst dir Freiräume für improvisierte Entdeckungen unterwegs.
Plane Rampen, breite Durchgänge, ruhige Querungen und verlässliche Sitzgelegenheiten ein. Beschreibe Bodenbeläge, Steigungen, mögliche Engstellen deutlich in Begleittexten. Biete mehrere Pausenpunkte und akustische Orientierungspunkte an. So werden mehr Menschen eingeladen, mitzuhören und mitzuerleben, ohne Hürden zu fürchten, und die Stadt offenbart sich vielfältiger als in schnellen, rein visuell geführten Rundgängen.
Kläre Aufnahmen im öffentlichen Raum sensibel. Wenn du näher an Personen gehst, sprich offen an, was du tust, und akzeptiere jedes Nein. Vermeide private Innenhöfe ohne Erlaubnis. Biete bei Gruppen Tour‑Regeln, die Privatsphäre schützen. Halte Zonen ohne Aufnahme bereit, damit alle sich wohlfühlen. Vertrauen nährt Geschichten, und Geschichten nähren wiederum eine respektvolle Stadtkultur.
Teile Route und voraussichtliche Dauer mit einer Vertrauensperson. Trage eine minimalistische Erste‑Hilfe‑Ausrüstung, ausreichend Wasser und geladene Powerbank. Vereinbare Sammelpunkte bei Gruppen. Prüfe Wetterlage, Ausweichwege und ruhige Rückzugsorte für Reizüberflutung. Sicherheit wirkt unscheinbar, doch sie schenkt dir Freiheit, konzentriert zu erzählen und aufmerksam zu lauschen, ohne unnötige Risiken einzugehen.